Ein Art Journal ist weder klassisches Tagebuch noch gewöhnliches Skizzenbuch. Es ist ein persönlicher Arbeitsraum auf Papier, in dem Bilder, Farben, Texte, Erinnerungen und Fundstücke nebeneinander Platz finden dürfen. Man kann darin schreiben, kleben, übermalen, sammeln, ergänzen oder eine Seite einfach so lange liegen lassen, bis irgendwann etwas Neues dazukommt. Ein fertiges Ergebnis ist nicht das Ziel. Viel interessanter ist, was sich im Laufe der Zeit entwickelt.
Gerade darin liegt für mich der Reiz des Art Journalings: Eine Seite muss nichts beweisen. Sie darf Spuren tragen, unfertig bleiben und später noch einmal ganz anders aussehen.
Was ist ein Art Journal?
Ein Art Journal ist ein künstlerisch gestaltetes Journal, in dem verschiedene Ausdrucksformen miteinander verbunden werden. Darin können Zeichnungen neben Collagen stehen, Fotos auf alte Buchseiten treffen und handgeschriebene Gedanken zwischen Farbflächen auftauchen. Stempel, Drucke, Verpackungen, Tickets oder kleine Fundstücke können ebenso dazugehören wie Malerei und Schrift. Typisch für ein Art Journal ist gerade die Freiheit, diese Dinge miteinander zu verbinden. Manche Journals bestehen überwiegend aus Bildern. Andere erzählen persönliche Geschichten oder sammeln Erinnerungen. Wieder andere werden zu einem Ort für Experimente, an dem Farben, Papiere und Ideen ausprobiert werden, ohne dass daraus sofort ein fertiges Kunstwerk entstehen muss.
Art Journaling ist kein schön geführtes Tagebuch
Beim Wort Journaling denkt man schnell an ordentlich gestaltete Notizbücher, Bullet Journals oder Seiten, bei denen jedes Kästchen seinen festen Platz hat. Ein Art Journal darf wesentlich widerspenstiger sein. Eine Seite kann entstehen, weil ein Papierrest zu schön zum Wegwerfen war. Ein anderes Mal beginnt alles mit einer Farbe, einem Foto oder einem Satz, der im Kopf geblieben ist. Manchmal funktioniert eine Idee nicht und wird wieder überklebt. Genau solche Spuren dürfen sichtbar bleiben. Perfektion spielt dabei keine besonders wichtige Rolle. Ein Art Journal lebt vielmehr davon, dass Dinge ausprobiert werden können, ohne dass jede Entscheidung endgültig sein muss.
Was braucht man für ein Art Journal?
Für den Anfang erstaunlich wenig. Ein Buch oder Heft, das sich gut öffnen lässt, reicht zunächst völlig aus. Dazu kommen einige Materialien, mit denen man gerne arbeitet. Ein großes Sortiment an Künstlerbedarf ist dafür nicht notwendig. Gerade gebrauchte, vergilbte oder bereits bedruckte Materialien können einer Seite ihren besonderen Charakter geben. Eine Eintrittskarte, ein Stück Verpackung oder ein handgeschriebener Zettel bringt bereits etwas mit, bevor überhaupt mit der Gestaltung begonnen wurde. Das können zum Beispiel sein:
- verschiedene Papiere
- alte Buchseiten oder Zeitschriften
- Fotos
- Stifte
- Farbe
- Kleber
- Schere oder Cutter
- Stempel
- kleine Fundstücke aus dem Alltag
Was kommt in ein Art Journal?
Eigentlich alles, was gerade interessant erscheint. Ein Art Journal kann von einer Reise erzählen, von einer Jahreszeit oder von einem einzelnen Nachmittag. Es kann Pflanzen, Menschen, Erinnerungen oder Beobachtungen sammeln. Genauso gut kann eine Seite nur aus Farben, Formen und einzelnen Worten bestehen. Ein Journal braucht dabei kein durchgehendes Thema. Manche Bücher entwickeln ihre eigene Richtung erst nach und nach. Seiten, die zunächst nichts miteinander zu tun hatten, ergeben später plötzlich eine Verbindung. Beliebte Themen für Art Journals sind zum Beispiel:
- Reisen und Orte
- Natur und Jahreszeiten
- Erinnerungen
- Menschen
- Bücher und Musik
- Fotos
- Fundstücke
- Textfragmente
- Farben und Formen
- kleine Beobachtungen aus dem Alltag
Art Journal oder Scrapbook – wo liegt der Unterschied?
Art Journal und Scrapbook können sich durchaus ähneln. Die Grenzen sind nicht streng. Beim Scrapbooking stehen häufig konkrete Erinnerungen und Fotografien im Mittelpunkt. Ein Ereignis, eine Reise oder eine besondere Situation wird dokumentiert und gestalterisch festgehalten. Ein Art Journal kann wesentlich freier funktionieren. Hier muss eine Seite nichts Bestimmtes dokumentieren. Gestaltung darf selbst zum Inhalt werden. Papier, Farbe, Schrift und Fragmente können miteinander kombiniert werden, ohne dass daraus eine chronologische Geschichte entstehen muss. Ein Scrapbook bewahrt häufig Erinnerungen. Ein Art Journal kann zusätzlich ein Ort sein, an dem etwas Neues ausprobiert wird.
Warum ein Art Journal kreativen Freiraum schafft
Eine große weiße Fläche kann erstaunlich streng wirken. Ein Journal nimmt etwas von diesem Druck. Man schlägt eine Seite auf, arbeitet daran und blättert irgendwann weiter. Das Bild muss anschließend nicht an die Wand. Niemand muss es sehen. Eine Entscheidung kann Wochen später wieder verändert werden. Dadurch entsteht Platz für Dinge, die man sich bei einem fertigen Werk vielleicht nicht erlauben würde. Ungewohnte Farben können nebeneinanderstehen. Ein Papier kann übermalt werden. Ein Bild kann teilweise verschwinden und später wieder auftauchen. Mit der Zeit wird das Journal dabei fast nebenbei zu einer Sammlung der eigenen Entwicklung. Frühere Seiten stehen neben späteren und zeigen Veränderungen, die man während des Arbeitens vielleicht gar nicht bemerkt hat.
Muss jede Seite fertig werden?
Nein. Eine Seite darf nach zehn Minuten fertig sein oder nach drei Monaten noch immer nicht. Manchmal fehlt nur ein kleines Detail. Manchmal weiß man überhaupt nicht, wie es weitergehen soll. Beides ist vollkommen in Ordnung. Eine unfertige Seite kann später etwas aufnehmen, das zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch gar nicht vorhanden war. Vielleicht passt plötzlich ein Fundstück dazu. Vielleicht entsteht ein Satz. Vielleicht wird die Seite irgendwann einfach überklebt. Gerade diese Offenheit macht ein Art Journal interessant. Es gibt keinen zwingenden Schlussstrich.
Fundstücke, Papier und kleine Geschichten
Besonders gern arbeite ich mit Dingen, die bereits eine Vergangenheit haben. Alte Papiere tragen Verfärbungen und Gebrauchsspuren. Handschrift wirkt anders als gedruckter Text. Ein Ticket erinnert an einen Ort, ein Stück Verpackung bringt eine Farbe oder Typografie mit, die man selbst vielleicht nie gewählt hätte. Solche Materialien müssen nicht wertvoll sein. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie schon etwas erzählen. Im Art Journal bekommen sie einen neuen Zusammenhang. Ein altes Papier trifft auf ein Foto, darüber liegt Farbe, daneben steht vielleicht nur ein einziges Wort. Aus mehreren kleinen Fragmenten entsteht eine neue Geschichte.
Wenn ein Journal noch nicht ganz fertig sein will
Bei den Cloodia-Journals ist diese Offenheit bereits Teil des Konzepts. Zwischen den gestalteten Seiten liegen thematisch passende Texte, Aufkleber, Papierreste und Scraps. Sie haben bewusst noch keinen endgültigen Platz. Der spätere Besitzer kann sie herausnehmen, verschieben, miteinander kombinieren und dort einkleben, wo sie sich richtig anfühlen. Vielleicht landet ein Text auf einer ganz anderen Seite als ursprünglich gedacht. Ein Aufkleber ergänzt irgendwann ein eigenes Foto, während ein kleines Papierfragment erst Monate später seinen Platz findet. Ein Cloodia-Journal verlässt das Atelier deshalb nicht als vollständig abgeschlossenes Objekt. Es bringt bereits Bilder, Texte, Materialien und kleine Geschichten mit, lässt aber genügend Raum für das, was noch kommen soll. So verändert sich das Journal weiter. Aus einem von Cloodia begonnenen Buch wird mit der Zeit etwas Persönliches, das die Handschrift seines Besitzers ebenso trägt wie meine.
Art Journaling als persönliches Archiv
Mit der Zeit sammelt sich in einem Art Journal weit mehr als Papier. Es bewahrt kleine Entscheidungen, verworfene Ideen und Dinge, die im Alltag leicht verschwinden würden. Manche Seiten erinnern später sehr genau an einen bestimmten Moment, obwohl sie gar nicht mit dieser Absicht entstanden sind. Vielleicht liegt darin eine der schönsten Eigenschaften eines Journals. Es hält nicht nur fest, was passiert ist. Es zeigt auch, was einen zu einer bestimmten Zeit beschäftigt, angezogen oder neugierig gemacht hat. Ein Art Journal kann deshalb sehr persönlich werden, ohne dass darin ein einziges klassisches Tagebuchwort stehen muss.
Ein Buch, das offenbleiben darf
Ein fertiges Kunstwerk verlangt irgendwann nach einer Entscheidung: Jetzt bleibt es so. Ein Journal muss diese Entscheidung nicht treffen. Es darf weiterwachsen, zurückblättern, etwas aufnehmen und anderes überdecken. Seiten können Jahre später noch ergänzt werden, während andere genau so bleiben, wie sie beim ersten Versuch entstanden sind. Vielleicht liegt gerade darin seine besondere Freiheit. Ein Art Journal ist kein Ort für perfekte Seiten. Es ist ein Ort für Dinge, die bleiben, sich verändern oder irgendwann ganz unerwartet wieder auftauchen dürfen.
Zum Weiterstöbern
Auf Cloodia findest du verschiedene Journals, Collagen und Papierarbeiten, in denen Fundstücke, Illustrationen, Texte und Erinnerungen miteinander verbunden werden. Die Journals zeigen unterschiedliche Themenwelten und lassen zugleich genug Raum für eigene Ergänzungen.