Ein Junk Journal beginnt oft mit Dingen, die für einen anderen Zweck bereits ausgedient haben. Eine Buchseite, ein Umschlag, ein Stück Verpackung, ein altes Etikett oder ein Zettel, der irgendwo zwischen anderen Papieren lag. Statt weggeworfen zu werden, bekommen solche Fundstücke einen neuen Zusammenhang. Genau darin liegt die Grundidee des Junk Journaling: Aus gebrauchten, gefundenen und oft ganz unscheinbaren Materialien entsteht ein Buch, das nicht vollkommen sein muss und gerade deshalb seinen eigenen Charakter entwickelt.
Was ist ein Junk Journal?
Ein Junk Journal ist ein handgemachtes Journal, das ganz oder teilweise aus wiederverwendeten, alten oder gefundenen Materialien besteht. Dazu können Buchseiten, Briefumschläge, Rechnungen, Verpackungen, Stoffreste, Etiketten, Tickets, Notizzettel oder andere Papierfragmente gehören. Viele Junk Journals enthalten außerdem freie Seiten zum Schreiben, Einkleben oder Weitergestalten. Es gibt keine feste Form, die ein Junk Journal erfüllen muss. Manche wirken wie kleine Archive, andere wie Skizzenbücher, Reisetagebücher oder Sammlungen aus Papier.
Warum heißt es überhaupt „Junk“ Journal?
Das englische Wort „junk“ bedeutet zunächst so viel wie Gerümpel, Kram oder Dinge, die keinen großen Wert mehr besitzen. Beim Junk Journaling wird dieser Begriff allerdings fast liebevoll umgedreht. Materialien, die sonst aussortiert oder weggeworfen würden, bekommen einen neuen Platz. Ein beschädigtes Papier kann interessanter sein als ein makelloses, eine alte Rechnung spannender als ein neu gekauftes Dekopapier. Der Wert entsteht nicht unbedingt durch das Material selbst, sondern durch den neuen Zusammenhang.
Was kommt in ein Junk Journal?
Im Grunde alles, was flach genug ist, um zwischen zwei Seiten zu passen – und manches, das diese Regel nur ungefähr erfüllt. Alte Buchseiten, Briefmarken, Umschläge, Postkarten, Tickets, Etiketten, Stoffstücke, Spitze, Verpackungen, handschriftliche Notizen, Fotos oder kleine Fundstücke können Teil eines Junk Journals werden. Häufig entstehen zusätzlich Taschen, Klappen oder kleine Umschläge, in denen weitere Dinge aufbewahrt werden. Das Journal wird dadurch nicht nur zum Buch, sondern auch ein wenig zum Behälter.
Junk Journal und Art Journal – was ist der Unterschied?
Die beiden Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht identisch. Ein Art Journal ist in erster Linie ein Ort für künstlerisches Arbeiten. Farbe, Zeichnung, Collage, Schrift und Mixed Media können dabei frei miteinander kombiniert werden. Ein Junk Journal definiert sich stärker über seine Materialien: Alte, gebrauchte oder wiederverwendete Papiere und Fundstücke stehen häufig im Mittelpunkt. Ein Junk Journal kann gleichzeitig ein Art Journal sein, wenn darin künstlerisch gearbeitet wird. Umgekehrt muss ein Art Journal nicht aus alten oder recycelten Materialien bestehen.
Junk Journal und klassisches Journal
Ein klassisches Journal wird häufig vor allem beschrieben. Gedanken, Erlebnisse, Pläne oder Beobachtungen bilden den Inhalt, während das Buch selbst eher zurückhaltend bleibt. Beim Junk Journal ist dagegen schon das Material Teil der Geschichte. Seiten können unterschiedlich groß sein, aus verschiedenen Papieren bestehen oder Spuren eines früheren Lebens tragen. Geschrieben werden darf natürlich trotzdem. Der Unterschied liegt weniger darin, was festgehalten wird, sondern darin, dass das Buch selbst bereits etwas erzählt.
Muss ein Junk Journal alt aussehen?
Nein. Alte Papiere und Gebrauchsspuren gehören zwar häufig dazu, aber ein Junk Journal muss weder braun, vergilbt noch nostalgisch wirken. Auch moderne Verpackungen, farbige Papiere, aktuelle Tickets oder ungewöhnliche Drucksachen können verwendet werden. Entscheidend ist eher die Idee des Wiederverwendens und Sammelns. Ein Junk Journal kann sehr ruhig, bunt, minimalistisch oder völlig eigenwillig sein.
Muss man ein Junk Journal selber machen?
Viele Junk Journals werden von Grund auf gebunden oder aus vorhandenen Buchdeckeln neu aufgebaut. Das ist aber keine Voraussetzung. Auch ein vorhandenes Notizbuch, ein altes Buch oder ein einfacher Ordner kann zum Junk Journal werden. Interessanter als die Frage nach der richtigen Bindung ist zunächst, was darin Platz finden soll. Wer nach „Junk Journal selber machen“ sucht, findet deshalb sehr unterschiedliche Ansätze – vom vollständig handgebundenen Buch bis zum weiterverwendeten Notizheft.
Warum Fundstücke dabei so wichtig sind
Fundstücke bringen etwas mit, das neu gekauftes Material nicht besitzt: einen früheren Zusammenhang. Ein Ticket war einmal eine Eintrittskarte, eine Buchseite gehörte zu einer Geschichte, ein Briefumschlag hatte einen Absender und ein Stück Verpackung war irgendwann Teil eines Alltagsgegenstands. Im Junk Journal dürfen diese ursprünglichen Bedeutungen sichtbar bleiben oder völlig verschwinden. Gerade dieses Nebeneinander aus Vergangenheit und neuer Verwendung macht viele Seiten interessant.
Erinnerungen müssen nicht ordentlich abgelegt werden
Ein Junk Journal eignet sich wunderbar für Dinge, die man aufheben möchte, aber nicht in ein klassisches Fotoalbum oder eine sauber sortierte Erinnerungsbox passen. Ein Zettel aus einem Café, ein Stück Geschenkpapier, eine kleine Zeichnung oder ein Etikett können dort landen, ohne eine besondere Begründung zu brauchen. Jahre später erzählen solche unscheinbaren Dinge oft erstaunlich viel über eine Zeit, einen Ort oder einen Menschen.
Perfektion ist eher hinderlich
Ein Junk Journal darf ungleichmäßige Seiten haben, ausgefranste Kanten, unterschiedliche Papiere und Dinge, die nicht exakt zueinander passen. Gerade weil viele Materialien bereits Gebrauchsspuren besitzen, verliert die Angst vor der perfekten ersten Seite schnell an Bedeutung. Ein Knick ist ohnehin schon da. Eine Seite ist bereits vergilbt. Das Buch muss nicht erst vorsichtig makellos gehalten werden, bevor man anfangen kann.
Junk Journaling und Nachhaltigkeit
Die Wiederverwendung von Papier spielt beim Junk Journaling eine wichtige Rolle. Materialien bekommen ein zweites Leben, statt sofort entsorgt zu werden. Trotzdem muss daraus kein Nachhaltigkeitsprogramm werden. Nicht jedes Verpackungspapier muss aufgehoben und nicht jedes alte Buch zerlegt werden. Der Gedanke ist einfacher: Dinge, die ohnehin vorhanden sind und interessant erscheinen, können weiterverwendet werden, statt automatisch im Papierkorb zu landen.
Wo findet man Material für ein Junk Journal?
Ein erstaunlich großer Teil liegt oft bereits zu Hause. Alte Briefumschläge, Verpackungen, Papierreste, Postkarten oder nicht mehr benötigte Drucksachen sind ein guter Anfang. Dazu kommen Flohmärkte, Antiquariate, Haushaltsauflösungen oder Papierbestände aus der Familie. Auch unterwegs entstehen kleine Sammlungen aus Tickets, Karten, Etiketten und anderen Dingen. Wer einmal anfängt, danach zu schauen, entdeckt ziemlich schnell Material an Orten, an denen vorher nur Papier herumlag.
Braucht ein Junk Journal ein Thema?
Nein. Manche Junk Journals entstehen rund um Reisen, Jahreszeiten, Erinnerungen oder bestimmte Farben. Andere wachsen einfach Seite für Seite und bekommen erst später einen erkennbaren Zusammenhang. Gerade diese Offenheit gehört zu ihrem Reiz. Ein Fundstück kann den Anfang machen, ohne dass bereits feststeht, wie das Buch am Ende aussehen wird.
Was Cloodia daran mag
Junk Journaling liegt sehr nah an der Art, wie bei Cloodia ohnehin mit Papier gearbeitet wird. Alte Seiten, Schriftfragmente, Etiketten, kleine Reste und Fundstücke dürfen bleiben, wenn sie etwas Eigenes mitbringen. Manche landen direkt in einem Journal, andere warten erst einmal in einer Schachtel auf eine bessere Gelegenheit. Dabei gefällt mir besonders, dass ein Junk Journal nicht so tut, als müsse alles neu sein. Eine Seite darf vorher schon etwas anderes gewesen sein. Ein Umschlag darf seine Knicke behalten und ein Stück Papier muss nicht wissen, warum es aufgehoben wurde. Manchmal reicht es, dass man es einfach noch nicht wegwerfen möchte.
Zum Weiterstöbern
Im Magazin findest du auch die Beiträge „Art Journal – was ist das eigentlich?“, „Journaling Ideen – worüber kann man überhaupt journalen?“ und „Collage mit Fundstücken – warum alte Papiere Geschichten tragen“. In den Cloodia-Galerien kannst du außerdem Journals, Collagen und Papierarbeiten entdecken, in denen alte Materialien und neue Gedanken immer wieder zusammenfinden.