Mixed Media klingt zunächst ein wenig nach Kunsthochschule, Materialkunde und einer ziemlich großen Schublade mit englischer Beschriftung. Gemeint ist etwas viel Einfacheres: In einem Werk treffen unterschiedliche künstlerische Materialien und Techniken aufeinander. Farbe kann neben Papier stehen, Zeichnung auf Fotografie treffen, eine alte Buchseite unter einer transparenten Farbschicht verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen. Das Entscheidende ist nicht, möglichst viele Materialien unterzubringen. Mixed Media beginnt dort, wo sich eine Arbeit nicht mehr auf eine einzige Technik beschränken möchte.
Was bedeutet Mixed Media?
Der englische Begriff bedeutet wörtlich „gemischte Medien“. In der Kunst beschreibt er Arbeiten, bei denen mindestens zwei unterschiedliche Medien oder Verfahren miteinander verbunden werden. Eine Zeichnung, die mit Aquarell ergänzt wird, kann bereits Mixed Media sein. Ebenso eine Arbeit aus Acrylfarbe, Papier und Schrift oder eine Collage, in die Malerei, Stempel, Druck oder textile Elemente einfließen. Die Grenzen sind bewusst offen, denn Mixed Media bezeichnet weniger einen bestimmten Stil als eine Art zu arbeiten.
Mixed Media ist keine einzelne Technik
Wer nach Mixed Media Techniken sucht, stößt schnell auf eine lange Liste: Malen, Zeichnen, Drucken, Kleben, Schichten, Stempeln, Schreiben, Kratzen oder Überarbeiten. Trotzdem gibt es nicht die Mixed-Media-Technik. Gerade die Verbindung verschiedener Verfahren macht den Begriff aus. Zwei Arbeiten können beide Mixed Media sein und dennoch vollkommen unterschiedlich aussehen. Die eine besteht vielleicht fast ausschließlich aus Farbe und wenigen Papierfragmenten, während die andere Fotografien, Schrift, Stoff und alte Dokumente miteinander verbindet.
Welche Materialien können zusammenkommen?
Grundsätzlich vieles. Acrylfarbe, Aquarell, Tusche, Bleistift, Pastellkreide, Papier, Fotografien, Buchseiten, handgeschriebene Texte, Briefmarken, Etiketten, Stoffreste oder gefundene Papiere können Teil einer Mixed-Media-Arbeit werden. Dazu kommen Dinge, die ursprünglich überhaupt nicht als Künstlerbedarf gedacht waren. Ein alter Umschlag, ein Stück Verpackung oder ein ausrangierter Stadtplan besitzt manchmal mehr Charakter als ein neues Blatt aus dem Bastelladen. Nicht alles muss gleichzeitig verwendet werden. Die Auswahl entsteht aus der jeweiligen Arbeit.
Warum Papier bei Mixed Media so oft auftaucht
Papier lässt sich bemalen, beschriften, schneiden, reißen, überkleben, falten und wieder teilweise freilegen. Gleichzeitig kann es bereits etwas mitbringen: eine Typografie, eine Illustration, eine Handschrift oder Gebrauchsspuren. Alte Buchseiten und gefundene Papiere sind deshalb besonders reizvoll. Sie funktionieren nicht nur als Oberfläche, sondern tragen eine eigene visuelle Ebene in das Bild hinein. Manchmal bleibt davon viel sichtbar, manchmal nur eine kleine Kante oder ein einzelnes Wort.
Mixed Media und Collage – ist das dasselbe?
Nicht ganz. Eine Collage entsteht grundsätzlich dadurch, dass unterschiedliche Elemente auf einer Fläche zusammengefügt werden. Papier, Fotografien, Illustrationen oder andere Fragmente werden dabei zu einem neuen Bild verbunden. Eine Mixed Media Collage geht darüber hinaus, wenn zusätzlich weitere Medien wie Farbe, Zeichnung, Druck oder andere Techniken eingesetzt werden. Die Grenzen sind allerdings fließend. Eine Collage kann Teil einer Mixed-Media-Arbeit sein, und viele Mixed-Media-Bilder besitzen deutlich erkennbare Collageelemente.
Woher kommt Mixed Media in der Kunst?
Künstler haben Materialien natürlich schon lange miteinander kombiniert, bevor dafür ein englischer Begriff auf Basteltischen und in Suchmaschinen auftauchte. Besonders im frühen 20. Jahrhundert begannen Künstler, alltägliche Gegenstände, Zeitungsausschnitte, Fotografien und gedruckte Papiere selbstverständlich in ihre Arbeiten einzubeziehen. Collage, Assemblage und experimentelle Druckverfahren erweiterten zunehmend die Vorstellung davon, woraus ein Kunstwerk bestehen darf. Mixed Media steht heute in dieser Tradition, ist aber längst nicht an eine bestimmte Kunstrichtung gebunden.
Wenn Alltagsmaterial plötzlich Kunstmaterial wird
Eine der angenehmen Seiten von Mixed Media ist die Verschiebung des Blicks. Papier ist plötzlich nicht mehr nur Verpackung, eine Briefmarke nicht nur Porto und eine alte Seite nicht ausschließlich Teil eines Buches. Materialien können aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und neu betrachtet werden. Das bedeutet nicht, dass alles aufgehoben werden muss. Es erklärt allerdings, warum Menschen, die mit Mixed Media arbeiten, gelegentlich erstaunlich begeistert vor einem besonders schönen Stück Seidenpapier stehen.
Müssen die Materialien zueinander passen?
Sie müssen zunächst einmal gar nichts. Gerade Gegensätze können interessant sein: rau und glatt, alt und neu, gedruckt und handgeschrieben, präzise und zufällig. Eine historische Illustration kann neben einer kräftigen Farbfläche stehen, ein geometrisches Fragment auf eine handschriftliche Notiz treffen. Ob daraus am Ende ein stimmiges Bild entsteht, ist eine gestalterische Frage. Für die Definition von Mixed Media reicht zunächst, dass unterschiedliche Medien gemeinsam in einer Arbeit vorkommen.
Schichten, Spuren und Dinge, die wieder verschwinden
Viele Mixed-Media-Arbeiten entstehen nicht nur nebeneinander, sondern auch übereinander. Etwas wird aufgetragen, teilweise verdeckt und später vielleicht wieder freigelegt. Unter einer Farbschicht bleibt eine Schrift gerade noch sichtbar, ein Stück Papier verschwindet fast vollständig oder eine frühere Linie taucht nur an einer kleinen Stelle wieder auf. Dadurch können Oberflächen entstehen, die ihre Entstehung nicht vollständig verbergen. Nicht jede Spur muss am Ende gleich wichtig sein, um zum Bild zu gehören.
Muss Mixed Media immer wild aussehen?
Nein. Der Begriff sagt nichts darüber aus, wie laut, bunt oder dicht eine Arbeit sein muss. Mixed Media kann sehr reduziert sein. Zwei Materialien können genügen. Eine ruhige Arbeit aus Papier, wenigen Farbfeldern und einer feinen Zeichnung gehört genauso dazu wie ein Bild mit vielen übereinanderliegenden Ebenen. Die Vielfalt steckt in den verwendeten Medien, nicht in der Verpflichtung, möglichst viel auf eine Fläche zu bringen.
Mixed Media im Art Journal
Art Journals sind ein naheliegender Ort für Mixed Media, weil dort unterschiedliche Materialien ohne großen Rechtfertigungsbedarf nebeneinander existieren dürfen. Text kann auf Farbe treffen, ein Foto neben einer Zeichnung stehen und ein Fundstück zwischen den Seiten auftauchen. Ein Journal bietet außerdem die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, ohne dass daraus unmittelbar ein abgeschlossenes Kunstwerk entstehen muss. Manche Seiten bleiben Skizze, andere entwickeln sich weiter und einige sind vielleicht gerade deshalb interessant, weil sie irgendwo dazwischen geblieben sind.
Mixed Media kann auch ganz klein sein
Nicht jede Arbeit braucht Leinwandformat. Eine Postkarte, ein kleines Papierstück, eine Journal-Seite oder sogar ein Etikett kann zum Ausgangspunkt werden. Gerade kleinere Formate machen sichtbar, dass Mixed Media keine Frage der Größe ist. Entscheidend ist die Verbindung unterschiedlicher Materialien und Spuren. Manchmal genügt ein winziger Ausschnitt, um eine ganze kleine Welt entstehen zu lassen.
Warum diese Arbeitsweise so viel Freiheit lässt
Wer sich nicht auf ein einziges Medium festlegt, kann auf das reagieren, was während einer Arbeit passiert. Eine Fläche wirkt vielleicht zu glatt, ein Papierfragment bringt eine überraschende Farbe hinein oder eine Linie verändert plötzlich den Charakter des Bildes. Mixed Media erlaubt solche Richtungswechsel. Nicht alles muss vorher entschieden werden. Ein Material kann das nächste hervorbringen, und aus einem ursprünglichen Plan kann etwas entstehen, das zu Beginn überhaupt nicht vorgesehen war.
Was Cloodia daran mag
Bei Cloodia treffen Papier, historische Illustrationen, Farbe, Schrift, Fotografien und Fundstücke immer wieder aufeinander. Manche Arbeiten beginnen mit einem Bild, andere mit einer alten Buchseite oder einem Papierstück, das viel zu lange aufgehoben wurde, um jetzt noch vernünftig weggeworfen zu werden. Dabei interessiert mich besonders, dass Materialien ihre Eigenheiten behalten dürfen. Eine alte Seite muss nicht so tun, als wäre sie neu. Eine eingerissene Kante darf sichtbar bleiben, Schrift darf teilweise verschwinden und ein Fundstück kann seine ursprüngliche Bedeutung verlieren, um in einem anderen Zusammenhang etwas Neues zu erzählen. Vielleicht liegt genau darin der Reiz von Mixed Media: Man muss sich nicht für Papier oder Farbe, Bild oder Text entscheiden. Man darf sie miteinander bekannt machen.
Zum Weiterstöbern
Im Magazin findest du auch den Beitrag „Collage mit Fundstücken – warum alte Papiere Geschichten tragen“ und „Art Journal – was ist das eigentlich?“. In den Cloodia-Galerien kannst du außerdem Collagen, Journals und Mixed-Media-Arbeiten entdecken, in denen sich Papier, Farbe, Bilder und gefundene Dinge immer wieder begegnen.